Des Öfteren wurde ich jetzt schon gefragt, was ich denn so mitbekomme von der Situation in Tibet, jetzt wo ich schon vor Ort in China bin. Hier ein paar Gedanken dazu:

Erstens bin ich nicht vor Ort. Qingdao liegt etwa 2800 km von Tibet entfernt, und ich habe noch nie Tibeter getroffen. Natürlich ist Tibet immer ein beliebtes Reiseziel für Touristen gewesen und ich habe mir auch überlegt im Semesterbreak, der in ca. einem Monat startet, nach Tibet zu reisen. Von Beijing fährt ein Zug in 48 Stunden nach Lhasa für US$ 133. Interessant wäre es schon, aber in diesen Zeiten jedoch eher unrealistisch.

Zweitens habe ich nicht mehr Informationen als jeder von uns. In China zu sein ist vom Informations-Standpunkt wohl weit aus schlechter als Deutschland. Hierfür ein kleiner Exkurs in die chinesische Medienwelt:

In China gibt es neun staatliche Fernsehsender. Sie vereinen sich unter dem Dach von CCTV. Dementsprechend heißen die Sender auch CCTV-1, CCTV-2 usw. Von den neun Kanälen ist einer auf Englisch. Jedoch ist dieser nicht unabhängiger als die anderen. Alle Sender sind staatsgelenkt. Keiner berichtet unabhängig und frei. Die Meldungen in den Nachrichten erinnern an Pressemeldungen der CCP (Chinas Communist Party). Speziell auf China bezogen werden die Tibeter als antirevolutionäre Kräfte unter der Führung des Dalai Lama bezeichnet. Immer wieder werden Tibeter vorgeführt die sich angeblich ergeben haben sollen und ihre Schuld eingestehen. Gleichzeitig jedoch ist CCTV fast die einzige Quelle von Bildern für ausländische Fernsehsender. Seit ein paar Tagen wurden ja alle Journalisten aus Tibet ausgewiesen, so dass CCTV die einzige Bildquelle bleibt.

Fast gleichartig spielt sich das auch bei den anderen klassischen Medien ab. Das Radio erinnert an den Volksempfänger und die Zeitungen sind alle parteinah. Die einzige Zeitung die ich lesen kann „China Daily“ berichtet nur sehr spärlich über Tibet.

Das Internet stellt für die chinesische Regierung jedoch ein großes Problem dar. Es wird kontrolliert, jedoch ist eine umfassende Kontrolle nicht möglich. Nach dem Einsetzen der „Great Firewall of China“ 1998 versucht die Regierung „antirevolutionäres Gedankengut“ von der Bevölkerung fernzuhalten. Blogger werden massiv kontrolliert und es gibt hohe Auflagen für Nachrichtenseiten. Natürlich werden unliebsame Seiten einfach geblockt.

Seit den ersten Vorfällen in Tibet hat sich das auch bei uns bemerkbar gemacht. Seit einer Woche sind YouTube, die Seiten der BBC und andere ausländische Seiten geblockt. Hin und wieder lassen sich Email-Accounts (wie Hotmail) nicht mehr öffnen. Wikipedia, das von den freien Einträgen seiner User lebt, ist in China grundsätzlich nicht zu erreichen. Als Student ist man auf den ersten Blick ziemlich aufgeschmissen, jedoch gibt es einige Möglichkeiten die chinesische (Firewall)Mauer zu umgehen. Mit Programmen wie Hotspotshield.com hat man dann plötzlich wieder Zugang zu allem. Vielleicht nicht mit Broadbandspeed aber immerhin reicht es, Informationen zu sammeln. Ein interessanter Artikel zu der Tibet-Diskussion im Internet findet ihr hier.

Was uns Studenten in Qingdao betrifft, wissen wir nicht mehr als andere Ausländer über die Situation in Tibet. Wir lesen z. B. Spiegel Online (oder natürlich auch Webnews oder Zoomer) und empfangen in unserem Studentenhotel DW-TV. Ich fühle mich daher keinesfalls von der Außenwelt abgeschottet.

Wenn man dagegen Chinesen zum Thema Tibet befragt, dann wissen die meist gar nicht was los ist. Das Thema steht ja auch nicht ganz oben in den Nachrichten von TV und Zeitungen, sondern spielt eine untergeordnete Rolle. Mein Eindruck ist außerdem, dass viele sich über die Themen wie Tibet oder auch Taiwan nicht mehr bewusst sind. In den Schulen wird es nicht mehr gelehrt, sondern die beiden Gebiete werden als vollständig chinesisch angesehen. Bei uns in den Vorlesungen werden diese Gebiete auch nur teilweise angeschnitten. Die Professoren wirken sehr linientreu und reden nicht gerne über diese Themen. Ein Dozent, deutscher Nationalität berichtete von den ersten Vorlesungen in China, dass Studenten von der Partei geschickt wurden, um seine Lehrmethoden zu kontrollieren.

Trotz all der negativen Punkte die ich genannt habe, muss man auch objektiv sagen, dass sich in der Medienlandschaft Chinas schon um einiges bewegt hat. Durch das Internet ist es nun möglich, an Informationen zu kommen, und auch das Fernsehen hätte vor zehn Jahren noch nicht über solche Themen berichtet. China zeigt sich immer offener, auch im Bezug auf die Olympischen Spiele, jedoch ist hier noch ein langer Weg zu gehen.

Ich muss auch sagen, dass ich den jetzt viel diskutierten Olympia-Boykott eine nette Idee finde, jedoch als sehr uneffektiv einschätzen muss. Die politischen Probleme sollten auf der politischen und nicht auf der sportlichen Ebene geklärt werden. Die Olympischen Spiele tragen außerdem sehr dazu bei, dass sich das Land weiter öffnet und die vielen Ausländer, die im August in das Land strömen werden, lassen in ganz China einen neuen Wind wehen.

Was in Tibet geschieht kann man wohl nicht gutheißen. Ob sich die Situation durch die Aufstände verändern ist jedoch sehr schwer einzuschätzen. China verändert sich im Moment rasant und vielleicht werden diese Veränderungen auch in naher Zukunft dazu führen, eine neue Haltung der Regierung gegenüber Tibet einzunehmen. Wir hoffen und werden sehen….

Wie gesagt schreibe ich auch für Webnews. Hier mal ein Beispiel eines Artikels indem ihr mehr über Qingdao erfahren könnt. Wenn ihr Lust habt hinterlasst mir einen Punkt bei Webnews:

Webnews

Qingdao – Dahoam is Dahoam

Der Titel stammt von meinem Mitbewohner, der Bayer ist, und desöfteren mal diese Sendung im Bayrischen Fernsehn guckt. Übersetzt heißt es “Daheim ist Daheim” ;-)

Hier der Teil zwei des Vodcasts:


Online Videos by Veoh.com

Hier ist für euch wieder ein Stück Videogeschichte. Habe mal tudou ausprobiert. Vielleicht lädt der ein bißchen schneller. Mir scheint aber, dass der Ton nicht ganz synchron ist. Schreibt einfach eure Erfahrungen in die Comments. Den zweiten Teil gibts dann später…

Hier nochmal auf veoh hochgeladen:


Online Videos by Veoh.com

Habe gerade eine sehr interessante Dokumentation über den Turnschuhkrieg in Beijing auf DW-TV gesehen. Dort konkurieren der chinesische Sporthersteller Li Ning mit Adidas und Nike. In dem Beitrag kam auch ein sehr gelungen Werbeclip vor. Finde ihn super klasse und will ihn euch nicht vorenthalten:

Beijing ist riesig. Beijing ist schön. Wollen wir mal weitersehn…

 

Sightseeing, Sightseeing und Sightseeing stand die letzten Tagen in Beijing auf den Plan. Wir besuchten alles von den Ming-Gräbern über die Verbotene Stadt bis hin zum Temple of Heaven. Auf der Chinesischen Mauer habe ich ein kurzes Video gedreht. Leider sehr schlecht zu verstehen, weil dort oben ein ganz schöner Wind ging.

 

Ich will jetzt nicht zu viel über die Sehenswürdigkeiten erzählen, da man selber da gewesen sein und die Atmosphäre gespürt haben muss. Außerdem bekommt man durch Bilder schon einen sehr guten Eindruck.

Vielmehr will ich einmal auf die Allgemeinen Umstände in Peking eingehen:

 

Ich habe mir Peking immer sehr klein und traditionell vorgestellt. Dem ist gar nicht so. Riesige Straßen (meist vierspurig auf jeder Seite) führen durch die Stadt. Die Entfernungen zur nächsten Sehenswürdigkeit sind meist nur mit dem Taxi zu erreichen. Einmal waren wir mutig und liefen vom Tian‘ anmen Platz zum Palast des Himmels und waren ganze 2 Stunden unterwegs, obwohl es auf der Karte doch sehr kurz wirkte.
Die Hauptattraktionen, die sich um den Platz des himmlischen Friedens wiederfinden, erinnern mich stark an Washington D.C. Abgesehen vom Kaiserpalast wurde hier alles genau geplant und gebaut. Die meisten Gebäude sind erst seit der Gründung der VRC dort. Es wirkt also alles mehr wie ein angelegter Touristenpark.

Nichtsdestotrotz hat Peking auch Tradition. Die traditionellen Hutongs zeigen wie Beijing früher aussahen und geben einen Eindruck wie wohl der Großteil der Armen in ganz China lebt. Leider ist die KP oder die Stadtregierung gar nicht stolz darauf. Im Zuge der Modernisierung der Stadt für die Olympischen Spiele werden hohe Mauern um die Hutongs gebaut, sodass sie dem normalen Touristenauge fern bleiben. Das ganze erinnert irgendwie leider an die Gettos im dritten Reich. Ein krasser Kontrast zwischen Moderne und Tradition. Oft werden sie dann auch noch abgerissen um Platz für neue und moderne Gebäude zu geben. Das ist natürlich auch alles mit Umsiedlung usw. verbunden.

Die Beijinger sind nicht gerade touristenfreundlich. Mein trauriger Eindruck: Die, die englisch sprechen, wollen nur dein Geld. Nach dem ersten Reinfall am Samstag wird man immun gegen die ganz freundlich-tuenden Chinesen. Dagegen muss ich aber auch sagen, dass man merkt, dass die Chinesen einen ausgeprägten Geschäftssinn haben. Jeder scheint irgendwie Unternehmer zu sein und hart dafür zu arbeiten sein Leben zu verbessern. Außerdem hilft man sich gegenseitig: Taxifahrer haben Kooperationen mit Bars und Händlern, sodass sie die Touristen, die eh keine Ahnung haben, an der für ihre Zwecke besten Stelle absetzen. Traurig aber wahr.

In Peking ist man der Staatsregierung natürlich nicht fern. Einerseits hält sie sich bei Touristen dezent zurück (Fernsehempfang von BBC-World im Hotel) jedoch merkt man immer das sie präsent ist. Überall Kameras wohin man schaut, aber auch total unnütz herumstehende Soldaten. Dann marschieren mal eben ein paar Duzend Uniformierte über den Tiananmen Platz einfach so… In Berührung mit der Staatsmacht kommt man jedoch nie. Jackie unser Guide zur Großen Mauer sagte zur Politik: „Die Menschen reden nicht darüber. Sie sehen, dass ihr Leben sich stetig verbessert und sind daher nicht unzufrieden mit der Regierung. Natürlich weiß jeder, dass das Staatsfernsehn nur gutes Berichtet und niemand glaubt es. Ein Sprichwort sagt: Bis 19:30 wird nur gutes Berichtet und danach die Wahrheit. Denn dann kommt die Wettervorhersage“.

 

 

Dennoch sieht man immer wieder an verschiedenen Beispielen, wie groß der Unterschied zwischen Arm und reich ist. Auffallend sind die vielen Baustellen, die mit vielen Wanderarbeiter aus anderen Provinzen besiedelt sind. Daneben gleich riesige Kaufhäuser mit den ausländischen Markenklamotten die nicht „fake“ sind. Selbst einige Starbucks gibt es dort, aber nur sehr wenige reiche Chinesen tummeln sich dort. Auch typisch sind die Massen an Verkäufern die in einem Store stehen. Für jedes Regal ein eigener. So billig sind wohl hier die Arbeitskräfte.

Nächste Woche geht es weiter nach Qingdao. Mal gucken wie die Leute dort so drauf sind. Ich lasse mich gerne überraschen.

Alle Fotos gibt es wie immer unter dem Menüpunkt “Fotos” (ganz oben)!

 

Hatte in den letzten Tagen leider kein Internet und konnte daher noch nichts veröffentlichen. Ich bin jetzt bereits an meinen Studienstandort in Qingdao angekommen. Zuvor will ich euch jedoch ein paar Eindrücke aus dem Pekingurlaub präsentieren. Viel Spaß dabei:

Edit: Das Video ist jetzt beim chinesischen YouTube-Clon: YouKu gehostet. Die Server sind von hier aus schneller und ohne Probleme zu erreichen. Hoffe das klappt auch so in Deutschland!