So weit Tibet auch entfernt ist, immerhin 1300 Kilometer, erreicht die Krise aber nun auch Qingdao. In vielen Medien kann man lesen wie die Verhältnisse zwischen Frankreich und China immer angespannter werden. Nun habe ich die Situation live miterlebt. Eine Chronik.

Vor ein paar Tagen fahre ich an einer Filiale der französischen Supermarktkette Carrefour vorbei. Davor steht ein Mob von rund 100 Menschen. Sie halten chinesische Flaggen und Transparente in die Höhe, die die Aufschrift „Kauft nicht bei Carrefour. Boykottiert Frankreich!“ tragen. Einzelne Kunden, die sich doch in den Eingang trauen, werden ausgebuht, angeschrieen oder beleidigt. Ein paar Stunden später laufe ich wieder am Carrefour vorbei und sehe, wie er nun ganz geschlossen ist. Die Demonstranten haben sich vor den geschlossenen Türen versammelt und ihre Transparente und Flaggen an die Eingänge geklebt. Die Carrefour-Angestellten scheinen hilflos zu sein. Sie haben bereits die Metallrollos heruntergellassen, um einer möglichen Erstürmung zu trotzen. Einige Polizisten stehen auch vor dem Gebäude und beobachten die Situation. Zu weiteren Ausschreitung kommt es zum Glück nicht.

 

Am nächsten Tag hat sich die Lage etwas entspannt. Noch immer stehen Demonstranten vor dem Gebäude, jedoch ist der Supermarkt an diesem Tag nicht offen. Die nächsten Tage verlaufen ähnlich. Mit einem erhöhten Polizeiaufgebot werden die Demonstranten des Platzes verwiesen. Jedoch formieren sie sich auf der anderen Straßenseite wieder neu. Der Carrefour öffnet wieder, jedoch mit weitaus weniger Kunden, da diese durch die Proteste verschreckt sind.

Wie kommt es zu einem solchem Hass gegen Carrefour? Ein Erklärungsveruch….

Anfang April bekommen die ersten Chinesen eine SMS auf ihr Handy, wie 100 Tausende andere Chinesen später auch. In der SMS wird zum Boykott der französischen Supermarktkette Carrefour aufgerufen. Weiter heißt es, dass Carrefour den Daila Lama finanzielle unterstütze und die Olympsiche Spiele den Chinesen nicht gönne. An den folgenden Tagen unterstützen die ersten Internetblogs diese SMS. Die großen Medien greifen die Nachricht auf und verbreiten sie weiter. Somit bekommt es so gut wie jeder mit. Daraufhin versucht Carrefour gegenzusteuern und veröffentlicht auf seiner Website eine Schrift, in der sich Carrefour vom Daila Lama distanziert und den Chinesen die ausdrückliche Unterstützung bei den Olympischen Spielen zusagt. Zu spät – die Lawine rollt bereits, und so kommt es zu massiven Protesten im ganzen Land.

Carrefour ist die zweitgrößte Supermarktkette nach der Metro Group auf der Welt. Durch ihre ausgeklügelte Asien-Strategie gelang es ihr schon in den 90er Jahren, den chinesischen Markt zu erobern und zum Marktführer zu avancieren. Sie ließ dabei sowohl die Konkurrenz aus Russland mit Jusco, als auch den sehr starken Gegner Wal Mart alt aus sehen. Dabei ist sie natürlich auch einer der größten Arbeitgeber des Landes. Deshalb scheint ein Protest gegen die Kette zweischneidig.

Die Chinesen auf der anderen Seite sehen, was mit ihrem Land passiert. Die Regierung hat sie auf die Olympischen Spiele eingeschworen, und nun wird der Fackellauf in den westlichen Ländern zerrupft. Das ärgert die nationalorientieren Kräfte des Landes, und ihnen kommt eine solche Aktion gerade recht. Auch der Regierung ist das nicht verborgen geblieben. Tage nach den Vorfällen, tritt eine Regierungssprecherin vor die Presse. Sie zeigt sich nicht gerade einsichtig und ruft sogar die französische Führung dazu auf, ihre Position zu Tibet und den olympischen Spielen zu überdenken. Vielleicht ist die Unterstützung dieser Proteste ein weiteres Mittel für die Regierung ihre Macht im Land zu sichern.

Die Hintergründe der Proteste sind komplex, und niemand weiß wirklich wer genau dahintersteht. Es könnten genau so gut Konkurrenten von Carrefour gewesen sein, die eine solche Schmutzkampange losgetreten haben. Die ganzen Proteste erinnern ein bisschen an die Aktion der Amerikaner, die French Fries in Freedom Fries umbenannt hatten aus Ärger gegen die französische Ablehnung einer Teilnahme am Irakkrieg. Die Auswirkungen sind jedoch nicht mit den des Carrefour-Boykottes zu vergleichen.

Wie immer bleibt es sehr interessant, die Situation weiterzuverfolgen. Bis zu den Olympischen Spielen wird hier sicher noch einiges passieren.

Seht selbst. Puh… Große Erleichterung. Ich habe mich schon selbst sehr verrückt gemacht. Aber es scheint ja jetzt alles zu klappen.

Grüße aus dem warmen Qingdao!

…. aus der Traum!

Nach diesem Bericht dreht die chinesische Regierung völlig am Rad und will im Juli und August alle ausländischen Studenten aus China ausweisen. Selbst Studenten die zwei Semester studieren, müssen in diesen Monaten ausgereist sein.

Nach meinen Erkenntnissen ist dies noch nicht alles 100 % bestätigt, aber die Äußerungen der Universitäten sind sehr konkret und sprechen wohl gegen ausländische Studenten, die derzeit in China studieren.

Wenn sich die Äußerungen als wahr heraustellen, dann hab ich ein ernstes Problem. Nicht nur, dass ich mein Praktikum bei Webnews und den Olympischen Spielen knicken kann, sondern auch weil ich gerade sehe, wie meine Pläne den Bach heruntergehen.

Eine Taxifahrt in China ist immer was Besonderes. Zum einen ist das Fahren um einiges billger als in Deutschland, zum anderen kauft man gleich eine abenteuerliche Fahrt mit. Nun will ich euch mal am täglichen Wahnsinn auf den Straßen der Großstädte teilhaben lassen:

8:00 Uhr Ich stehe an der Strasse und warte auf ein vorbeifahrendes Taxi. Meine heutige Fahrt gilt eigentlich nur dem zehn Kilometer entfernten zweiten Campus der Hochschule, auf dem ich meinen Sprachunterricht absolvieren werde.
Plötzlich rasen einige Taxis an mir vorbei. Ich hebe eine Hand und schnell entsteht ein Kampf um den Kunden. Das ist nicht immer so. Zwischen 17 und 19 Uhr ist kein Taxi zu bekommen, da zu der Zeit Rushhour herrscht. Einer Taxifahrer drängelt sich zuerst zu mir durch. Sein „Auto“ ist jedoch sehr alt: Ein VW-Passat B2. Es sieht aus als würde es gleich vor meinen Augen in 100 Einzelteile zerfallen. Aber dennoch, ich steige ein.

 

 

8:05 Uhr Ich versuche im gebrochenen Chinesisch dem Taxifahrer zu erklären wo ich hin will. Eigentlich sollte er schon längst Englisch gelernt haben, denn im Zuge der Vorbereitung auf die Olympsichen Spiele muss jeder Taxifahrer Englischunterricht nehmen. Leider geht das den meisten am Ar*** vorbei. Ich sage ihm: „Qu zhongguo haiyang daxue fushan fenxiao“. Doch mein simples Anfrage (Zum Fushang Ocean University Campus) wird nicht verstanden. Im Chinesischen ist die tonale Aussprache sehr wichtig, sonst kann das gleiche Wort schnell was ganz anderes heißen. Nach fünf weiteren versuchen, scheint er es verstanden zu haben, und wir fahren los.

8:10 Uhr Im Taxi stinkt es stechend nach Benzin. Ich greife nach meinem Sicherheitsgurt und möchte mich anschnallen, da winkt der Taxifahrer heftig ab. Plötzlich fällt es mir wieder ein: Es ist unhöflich sich im Taxi anzuschnallen. Die Taxifahrer denken sonst ich würde ihnen nicht vertrauen (was ich auch nicht tue, aber man will ja höflich bleiben). Ich schnalle mich daher nicht an. Wir rasen die Straße runter.

8:12 Uhr Wir kommen auf die Schnellstraße. Nichts mit Rechtsfahrtgebot. Geht es zu langsam voran, wird einfach von der ersten auf die dritte Spur gewechselt, ohne zu gucken. Dazu noch ein ständiges Hupen, damit man ja nicht angefahren wird. Ich denke mir die ganze Zeit: „Mein Leben ist gleich vorbei.“ Plötzlich bremst jemand sehr scharf vor uns. Der Taxifahrer hupt, schiebt sich knapp auf die nächste Spur und flucht etwas auf Chinesisch.

8:15 Uhr Anscheinend kennt der Taxifahrer eine Abkürzung. Er fährt falsch herum in eine Einbahnstraße und schießt an der nächsten Kreuzung ohne auf die Fußgänger zu achten auf die nächste Straße. 200 Meter weiter wird er jedoch durch eine Ampel gestoppt. Wenigstens hält er sich an diese. Das Besondere an den Ampeln ist, dass sie eine Coundownfunktion haben und man jederzeit nachvollziehen kann, wann der nächste Wechsel ist. Klingt praktisch, jedoch hat das zur Folge, dass alle überpünktlich losfahren. Zwei Sekunden vor Wechsel sind wir schon auf der Kreuzung. Und von hinten kommt unaufhörliches Hupen

8:20 Uhr Wir sind am Eingang des Campuses angekommen. Jedoch liegt dieser auf der gegenüberliegenden Seite der Straße auf der sehr reger Verkehr herrscht. Kein Problem für den Taxifahrer. Er manövriert das Taxi sehr langsam mitten in den Gegenverkehr hinein. Zwar gibt das ein tolles Hupkonzert, doch das ist ihm scheinbar egal. Schweißgebadet stehe ich nun vor dem Taxi und bezahle die Fahrt. Sie kostet 20 Yuan was ungefähr 2€ entspricht. Ein Schnäppchen, jedoch kann das auf Dauer nicht gut für den Blutdruck sein!