Um 14:28 Uhr war es heute so weit: Die von der Zentralregierung angeordnete Trauerminuten wurden von den Chinesen in die Tat umgesetzt. Es stoppten Autos, Menschen und deren Arbeit, um für in den drei Minuten den Verstorbenen der Erdbebenkatastrophe in der Provinz Sichuan zu gedenken. Dies markiert den Anfang einer dreitägigen Staatstrauer.

Neben den Fackelprotesten, Tibet und dem Daila Lama wurde nun das Erdbeben zum neuen traurigen Thema in China. Noch sind die Toten nicht endgültig gezählt, noch ist die Hoffnung für Überlebende nicht aufgegeben, aber man kann sagen, dass China eine der schlimmsten Katastrophen seit Jahrzenten erlebt hat. Obwohl ich vom Erdbeben nichts gemerkt habe, erreicht die Schockwelle auch uns, hier in Qingdao und bestimmt auch alle anderen Regionen dieses riesigen Landes. Die heutigen Trauerminuten waren daher etwas besonderes, weil man gesehen hat, wie sehr die Chinesen in solch schweren Zeiten zusammenhalten. Plötzlich fingen die Glocken der Kirchen an zu läuten, Autos hupten laut und Menschen versammelten sich auf verschiedenen Plätzen.
Das Land steht unter Schock, und viele Chinesen können nicht glauben, dass dies im eigentlichen Glücksjahr 2008 passieren kann. Jedoch ist dies ist diese Schockwelle nicht ganz natürlich. Das chinesische Staatsfernsehn CCTV erinnert zur Zeit an die Berichterstattung über den 11. September 2001. Ständig werden neue Helden präsentiert die Personen aus den zusammengebrochenen Gebäuden ziehen, im Hintergrund heroische Musik. Hin und wieder läuft eine überglückliche Mutter durchs Bild, die die Rettern dankt. Natürlich ist die Regierung nicht weit und zeigt den chinesischen Premier Wen Jiabo wie er in der Katastrophenregion herumreist. Man wartet dabei wohl vergebens auf eine kritische Stimme die hinterfragt warum diese Gebäude so leicht zusammengefallen sind und manche die Hilfe nicht erreicht.

Nicht desto trotz zeigt das Land Solidarität mit den Erdbebenopfern. Sie beten, sie trauern und sie spenden. Denn gerade diese Katastrophe trifft die ärmeren Menschen am härtesten. Wenn ihr auch spenden wollt, dann findet ihr dazu Informationen zu den Spendenkontos unter: http://www.china-botschaft.de/det/qz/t434631.htm
Versteht mich nicht falsch: Das Essen in China ist sehr gut. Man muss nur die richtigen Restaurants kennen, und schon kann man fürzwei Euro sehr lecker essen und mit vollem Magen nach Hause gehen. Die Gerichte sind anders, aber werden stets mit Reis serviert. Daher ist es verständlich, dass man nach zwei Monaten, mal wieder deutsch essen will. Dazu gibt es in Qingdao genau eine Möglichkeit, und die heißt „Monnermer Eck“. Es ist ein deutsches Restaurant, geführt von einem Deutschen, aber mit chinesischen Köchen, und deutscher Karte. Außerdem Treffpunkt für die Deutschen hier in Qingdao.
Am Freitagabend war es soweit. Nach kurzer Besprechung mit meinen Freunden machten wir uns auf den Weg zum „Monnemer Eck“. Ich war nicht wirklich scharf darauf in ein eher teureres Restaurant zu gehen, aber es war mal was anderes als nur chinesisches Essen. Als wir ankamen, fiel mir gleich die Restauranttür ins Auge, die aus stabilem Holz, groß und schwer war. Als ich sie öffnete, bekam ich einen kleinen Schock: Der Geruch des Restaurants erinnerte mich wirklich an ein deutsches Restaurant. Was mir vorher noch nie aufgefallen war, dass solche Restaurants einen typischen Holzgeruch haben. Im Inneren sah man eine typisch deutsche Einrichtung eines Restaurants. An den Wänden waren Fußballschals von verschiedenen Teams aufgehängt, da dies auch ein beliebter Treffpunkt für Fußballfans ist. Auch verständlich, da in China die Bundesliga live und überall frei über Antenne empfangbar ist.
Als wir uns zu Tisch setzten ,bekamen wir die Karte. Es war so wie Weihnachten, nur besser. Es gab alle Variationen von Schnitzeln und deren Beilagen, und ich durfte mir etwas aussuchen. Plötzlich erwachte das Kind in mir. Als wir bestellt hatten, bekam ich eine solche Vorfreude auf dieses Schnitzel, dass ich es kaum aushalten konnte.
Als es nun endlich da war, fingen wir an zu essen. Jedoch war dies sehr komisch. Zum ersten Mal seit zwei Monaten aß ich wieder richtig mit Messer und Gabel. Es war ein sehr seltsames Gefühl, jedoch gewöhnte man sich wieder schnell daran, da man viel mehr schaufeln konnte. Das Schnitzel schmeckte natürlich nicht so wie zu Hause, da andere Zutaten verwendet wurden, aber dennoch ein einmaliges Erlebnis.
Zu dem Gericht tranken wir Tsingtao-Bier. Dieses weltweit bekannte Bier ist das Flagschiff der chinesischen Getränkeindustrie. Warum wohl? Weil es nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird. Als Ende des 19. Jahrhunderts die deutsche Kolonialmacht Qingdao annektierten, brachte sie den Chinesen auch bei, Bier zu brauen. So entstand das noch heute gebraute Tsingtao-Beer.
Als wir nach ein paar Stunden das Restaurant verließen, war es wie ein kurzer Ausflug nach Deutschland gewesen. Obwohl ich am Anfang nicht gerade begeistert war, ins Restaurant zu gehen, muss ich rückblickend sagen, dass ich erst danach gemerkt habe, wie ich einige deutsche Dinge vermisst habe!





