Schon seit 24 Stunden in Guilin und noch nicht wirklich was gesehn. Das kann nicht sein und so machen wir uns heute gleich mal auf Guilin zu erkunden, was nach eigenen Angaben, das Touristenziel Nr.2, gleich nach Peking, ist.
Guilin ist mit 500.000 Einwohner eine eher kleine Stadt in der südchinesischen Provinz Guanxi. Hier ist das Klima nochmal heißer und feuchter als in den nördlichen Städten. Es ist aber ein Top-Reisetipp jeden Führers, denn Guilin ist vor allem durch seine Karstberge, den Li-River und das nahegelegene Dörfchen Yangshuo bekannt.
Schon von der Stadtmitte aus kann man im Hintergrund den einen oder anderen Karstberg sichten. Als wir später auf eine Flussfahrt auf dem Li-River unterwegs waren eröffnet sich aber dann erst das volle Panorama. Die Kegelförmigen Berge eröffnen sich nach und nach und haben verschiedene Namen. Sie wurden den nach ihrer Form nach Tieren von den Einheimischen benannt.
Fährt man den Li-River hinunter kommt man irgendwann auch in 50 km entfernte Yangshuo. Diese kleine Stadt bietet ein unvergessliches Panorama auf den Fluss und macht durch seine altertümliche Umgebung schon etwas her.
Leider regnete es den Großteil der Strecke, was einerseits natürlich ärgerlich war, jedoch auch etwas schönes enthüllte, da man die Berge in einem schönen Schleier voll Dunst sehen konnte.
Auch von der Atmosphäre macht Guilin einiges her. Immer wieder kann man Fischer beobachten, die ihr Glück am Li-River versuchen und alte Menschen die am Fluss Zeitvertreib mit kleinen Brettspielen verbringt.
Das einzige was mich wirklich geärgert hat ist das total überzogene Preisniveau. Obwohl wir uns hier in einer westlichen Stadt in China befinden, glauben die Einheimischen den Touristen alles abzunehmen. Eine Li-River Flussfahrt kostet allein zum Beispiel 500 Yuan (50€).
Nach viel Sightseeing und Reiserei durch die verschiedensten Provinzen Chinas sind wir heute in Yichang angekommen, wo wir unseren ersten Reisetag auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Yangtse verbringen werden. Die Reise fünftägige Reise wird uns von Yichang nach Chongqing führen, also Stromaufwärts. Dabei werden wir natürlich auch den Drei Schluchtenstaudamm und die Geisterstadt Fengdu besichtigen. Auf der ganzen Fahrt wird sich hoffentlich eine wunderschöne Szenerie zeigen während wir uns durch die Schluchten dieses Flusses bewegen.
Chinas mächtiger – und der Welt drittlängster – Fluss, der 6300 km lange Jangtse (oder auf chinesisch: Chang Jiang), entspringt als Gebirgsbach in Tibet und nimmt auf seiner Reise durch die verschiedenen Provinzen Wasser von unzähligen Nebenflüssen auf. Nördlich von Shanghai mündet er schließlich als mächtiger Strom in das Meer.
Besonders ist der Fluss vor allem durch seine Panoramen. Die drei Schluchten, steile Felswände und idyllische Nebenflüsse machen dem Jangtse zu einer beliebten Attraktion. Der ganze Fluss hat jedoch auch etwas mystisches. An ihm kann man den Größenwahnsinn Chinas sehen: Der Drei Schluchten Staudamm (nahe Yichang). Er hüllt den Fluss in große Ungewissheit, weil noch niemand die Folgen der Stauung des Flusses absehen kann. Das Wasser hinter dem Staudamm soll um 175 m steigen und somit alles nah am Ufer gebaute im Wasser ertränken.
Obwohl der Fluss so lang ist, ist die Hauptroute für Touristen die Fahrt von Chongqing nach Yichang. Wir haben uns jedoch für die gegenläufige Fahrt entschieden, da sie ein wenig länger dauert. Natürlich gibt es wieder verschiedene Arten zu reisen. Ein beliebtes Mittel für den Transport sind Hydrofoils (Trageflügelboote). Jedoch sind diese nur zur Reise gedacht und nicht zum Sightseeing. Wir entschieden uns daher für ein richtiges Kreuzfahrtschiff.
Die Jangtsefahrt wird sicher interessant und morgen werden wir schon durch die riesigen Schleusen des Drei Schluchten Staudammes fahren. Ich bin gespannt…
Kaum geht unsere Kreuzfahrt über den Jangtse los, sind wir nach ein paar Stunden bei den großen Toren des Staudammes angelangt. Imposant versperren sie dem Wasser den weg und lassen ihn nur kontrolliert passieren. Vom Schiff sieht es gigantisch aus, doch von Land konnte man noch einige andere Details erhaschen.
Das Drei Schluchten Staudamm-Projekt wurde schon zu Mao’s Zeiten ins Leben gerufen. Baubeginn war dann 1994 und bis heute ist der Damm nicht vollständig fertiggestellt. Das Bauprojekt ist das größte Chinas seit der Errichtung der Großen Mauer. Der Staudamm wird den Jangtse über 550 km stauen und ein Gebiet von der Größe Singapurs überfluten. Das hat natürlich auch enorme soziale Folgen. 1,5 Millionen Menschen müssen umgesiedelt werden. Der Bau des Damms war unglaublich teuer und wird auf 75 Milliarden US $ geschätzt. Jedoch soll er helfen die Binnenfahrten zu verbessern und das Problem der Überflutungen zu kontrollieren. Die Kritiker glauben jedoch, dass es noch weitaus größere Probleme bevorstehen, dass das Überschwemmungsgebiet nicht nur Städte begräbt, sondern auch Lebensräume wichtiger Tiere. Außerdem wurden im Jahr 1999 schon 100 Risse in den Wänden entdeckt, die nach Angaben der Erbauer, nichts zu bedeuten haben. Man kann sich jedoch vorstellen, dass die Stadt Yichang, mit 4 Millionen Einwohnern, praktisch in einer Stunde der Gar ausgemacht wäre, sollte der Damm brechen.
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Von der Aussichtsplattform konnten wir uns dann selber mal ein Bild machen. Die riesige Anlage erinnert tatsächlich ein bisschen an die Große Mauer. Die fünf riesigen Schleusen sehen von oben gigantisch aus. Wieder auf dem Schiff fuhren wir dann durch sie hindurch. Den Staudamm zu überwinden dauert ca. 3 Stunden. Es war wirklich eindrucksvoll zu sehen wie die Schleusentore sich öffneten und 5 große Kreuzfahrtschiffe in die Schleuse passten. Dann wurde geflutet und in Windeseile ging es wie im Fahrstuhl nach oben.
Ein wirkliches Highlight auf dieser Kreuzfahrt, an das ich mich sicher mit Freude zurückerinnern werde. Jedoch bleibt für mich selber offen, ob man dieses Bauprojekt gutheißen soll. Einerseits setzt es auf umweltfreundliche Energieerzeugung, anderseits ist es mit großen ökologischen Bedenken zu genießen. Jeder sollte selbst wissen, was er davon hält.
Heute sind wir schon in Guilin. Unserem nächsten Reiseziel nach der Jangtse Kreuzfahrt. Wir sind nämlich noch am selben Tag von Chongqing (eine wirklich hässliche Stadt) nach Guilin geflogen sind. Da wir am Abend noch etwas Zeit hatten, ging es noch zu einer Show der besonderen Art.
In Guilin sind die Fischer für eine traditionelle und ausgeklügelte Arte des Fischens bekannt. Sie benutzen dabei nicht etwa die Angel oder ein Netz, sondern Tiere. Um genauer zu sein Vögel der Art Kormorane. Dies sind entenähnliche Vögel, die bevorzugt Fisch verzehren. Dies machen sich die Fischer zu nutzen. Sie binden den Fischen kleine Fäden um den Hals. Gerade so fest, dass es nicht gelingt den Fisch zu verschlingen.
Die Fischer fahren nun raus auf den Fluss (Li-River) und fangen an auf dem Boot hin und her zu springen. Das scheucht die Fischer unter ihnen auf. Dann noch ein kurzer Befehl und die Tiere tauchen ins Wasser ab. Unterwasser werden durch die vorbeischwimmenden Tiere sofort der Jagdtrieb ausgelöst und es dauert nicht lange bis sie einen Fisch
erwischen. Sie sind dann darauf trainiert wieder zum Boot zurückzukommen um dort zu versuchen den Fisch zu verschlingen. Wegen der Schlinge gelingt dies natürlich nicht und der Fisch kann vom Fischer entnommen werden.
Ganz blöd sind die klugen Tiere jedoch auch nicht. Haben sie einige Fische gefangen, verweigern sie so lange die Arbeit, bis der Fischer ihnen eine Belohnung, natürlich in Form eines Fisches, gibt.
Gegen moderne Fangmethoden kann der Kormorane jedoch auch nichts ausrichten und so bleibt diese Art von Fischen nur den Touristen vorenthalten. Interessant anzusehen ist es jedoch allemal!
Weiter unterwegs auf dem Jangtse-Fluss. Er ist nämlich nicht nur für den riesigen Staudamm einen Besuch wert, sondern vor allem wegen der wunderschönen Natur. Heute gab es einen kleinen Ausflug in einen Nebenfluss des Jangtse. Im Shennong Fluß können wir ein bisschen das alte Feeling des Jangtse wieder aufleben lassen.
Um 8:00 Uhr geht es los. Wir steigen vom großen Dampfer aus auf eine kleinere Fähre um, die wendiger und schneller ist. Als erstes können wir, noch auf dem Jangtse, ein super Panorama einer neuen Autobahnbrücke erhaschen. Die Sonne im morgendlichen Nebel macht die Sache noch etwas schöner.
Dann geht es schon in den Nebenfluss. Wir fahren vorbei an steilen Felswänden, kleinen Höhlen und Wasserfällen. In dieser Gegend sollen auch wilde Affen sein, jedoch konnten wir heute noch nichts entdecken. Auffällig sind die vielen Reste von Bäumen im Wasser. Dies kommt, so erfahren wir durch einen lokalen Guide, durch schwere Regenfälle in den letzten Tagen. Dann legen wir auch schon an einer kleinen Plattform an, an der wir auf kleine Boote umsteigen. Auf ihnen befinden sich fünf Männer die uns von hier aus den Weg hochpaddeln.
Wieder sieht man wunderschöne Szenerie von Schluchten, bis auf einmal die Strecke sich verengt und die Männer kräftig rudern müssen. Da das Wasser nicht sehr hoch ist und es kleine Steinwege am Rand gibt, springt einer vom Boot und spannt ein Seil. Die anderen tun es im gleich. Plötzlich fangen diese Männer an zu ziehen und zu singen. Das Boot bewegt sich nach vorne. Es ist wie in alten Zeiten: Die Männer sind Treidler, wie es sie überall am Jangtse gab. Durch schwierige Stromschnellen zogen sie Boote und sogar ganze Schiffe den Fluss hinauf.
Nach zwei Stunden heißer Sonne ging es dann zurück. Noch ein Stück mit der Fähre und schon sind wir wieder am Kreuzfahrtschiff.
Reisen in China ist billig und bequem. Vorausgesetzt man benutzt das richtige Verkehrsmittel. Auf meiner Reise durch China habe ich nun alles ausprobiert. Flugzeug, Bahn, Bus und Schiff. Alle waren ganz in Ordnung. Als billige Reisemethode kein Problem. Bis jetzt. Denn gestern Abend nahmen wir einen Bus für die 10 Stunden Fahrt nach Yichang. Es boten sich Bahn und Bus an. Jedoch gab es in der Bahn nur unbequeme harte Sitze und da wir über Nacht fahren wollten entschieden wir uns für die zweite Variante: Den Sleeperbus.
Soweit hörte sich alles recht super an. Man hatte Betten in denen man schlafen konnte, der Bus war klimatisiert (ein muss bei dieser Hitze) und für den Preis von ca. 20€ recht billig. So stand einer angenehmen Nacht nichts mehr im Wege. Wir freuten uns schon am nächsten Tag ausgeschlafen anzukommen.
Als wir im Bus ankamen war schon eine Diskussion zwischen einem Busbahnhofs-Aufsichtsperson und den Busfahrern im Gange. Nach kurzer Konfusion konnte ich herausfinden, dass der Busfahrer wohl zwei Tickets zu viel verkauft hatte und zwei Personen aussteigen sollten, da immer zwei Betten für die Fahrer frei bleiben sollten. Die Personen stiegen aus und nach ca. 1 Stunde Verspätung ging es los. Kaum waren wir aus dem Busbahnhof heraus hielt der Fahrer und ließ die beiden wieder einsteigen. So kann man Kontrollen auch entgehen, dachte ich.
Doch was dann geschah war der Hammer. Wir fuhren eine halbe Stunde und hielten plötzlich vor ca. 30 Chinesen. Die Tür ging auf und der Fahrer kassierte kurz ab. Dann wurden die „Gäste“ hereingebeten. Wohl gemerkt: Bei dem Bus handelte es sich um einen Sleeperbus. Es gab keine Sitze, nur Betten und die waren alle belegt. So quetschten sich diese Personen in den Gang. Sie hockten sich auf den Boden, auf dem kein Zentimeter Platz mehr war.
Mir wurde schnell klar. Hier haben wir es mit einem pfiffigen Busfahrer zu tun, der für die Personen nochmal kräftig abkassiert. Und das schockierende war auch, dass sich von den Chinesen, die ein Ticket hatten, keiner beschwerte. Undenkbar in Deutschland. So ist das aber in China: Einer ist immer klüger als alle anderen und nutzt dies gnadenlos aus. Auch wenn es auf Kosten der Sicherheit geht.
Obwohl wir ein sehr schlechtes Gefühl bei der ganzen Sache hatten, mussten wir, wegen den Sprachschwierigkeiten, gewähren lassen. Die Nacht im Bus wurde demnach sehr unbequem. Ständig standen Leute auf, weil sie nicht mehr sitzen konnten. Die Luft war stickig und schlecht. War den, überwiegend, Männern langweilig fingen sie an zu reden. Daher konnte ich ungefähr eine Stunde schlaf erhaschen. Dementsprechend müde war ich dann auch den ganzen nächsten Tag. Zudem war es super eng und ständig wurde am Bett gerüttelt, da sich die Personen irgendwo festhalten mussten.
Leider kommt eine solche Abzocke wohl öfters vor. Busfahrer möchten einiges extra verdienen und greifen zu solchen Mitteln. Hier in Westen des Landes hat man wohl wenig Erfolg mit einer Anzeige, da Korruption in ärmlicheren Gegenden sehr verbreitet ist. Außerdem hätte man als Ausländer sehr schlechte Chancen. Wäre das ganze in Beijing passiert, wäre wohl einiges gegangen, da man dort, im Vorfeld der Olympischen Spiele, sehr auf den Tourismus achtet.
Obwohl ich mich maßlos ärgerte, musste ich auch hier wieder in den sauren Apfel beißen. Eine Busfahrt im Sleeperbus kommt für mich in nächster Zeit wohl nicht mehr in Frage.
Immer noch in Luoyang geht es heute zur zweiten Sehenswürdigkeit. Es ist brüllend heiß, aber es geht trotzdem los zu den berühmten Grotten.
Zu Anfang müssen wir ein bisschen Schlucken. Schon wieder so teuer. 80 Yuan (8€) kostet diesmal der Eintritt. Meinen chinesischen Studentenausweis wollen sie auch nicht anerkennen. Eigentlich eine Frechheit. Jetzt müssen wir in den sauren Apfel beißen und die Tickets einfach kaufen, denn das Highlight des Luoyangbesuchs wartet auf uns: Die Longmengrotten.
Die leider schon zum Teil geplünderten Grotten bei Longmen, eine unschätzbar wertvolle Unesco-Weltkulturerbestätte, stellen eines der weinigen in China noch existierenden buddhistischer Felsenbildhauerkunst dar. Auf einer Kalksteinwand entstand in mehr als 200 Jahren Arbeit mehrere kleine und riesig große Buddhaabbildungen. Anfang des 20. Jhs. Wurden viele Statuen von skrupellosen Sammlern aus dem Ausland geköpft oder gleich ganz entnommen. Viele sind heute im Ausland zu bewundern. Zum Beispiel im Metropolitan Museum of Art in New York und in Paris. Manche sind auch Ziel der Kulturrevolution in den 60er und 70er Jahren gewesen und daher stark beschädigt worden.
Als wir das Gelände betreten erwartet uns eine wunderschöne Szenerie. Die Grotten, die am Ufern des Yi-Flusses liegen bilden eine unvergessliche Ansicht. Ich finde sogar Parallelen zum Herr der Ringe Film. Die Regisseure oder der Autor haben sich bestimmt an diesen Anblick ihre Inspiration geholt. Wir laufen weiter am Flussufer entlang. Immer wieder sieht man kleine Höhlen in die Bildhauerrein eingearbeitet sind.
Zum Beispiel die Zentausend-Buddha-Grotte. Hier wurden 10.000 kleine Buddhas in die Wand eingearbeitet. Dies muss unglaublich viel Zeit gekostet haben zumal alles Handarbeit ist. Leider ist gleich daneben ein großes Kunstwerk, das wieder einmal keinen Kopf besitzt.
Es geht weiter zur Hauptattraktion: Der Tempel der Ahnenverehrung. Hier wurden 17 m große Abbildungen in den Stein gemeißelt. Wirklich gigantisch. Sie sind mehr dreidimensional und besser aus dem Stein gearbeitet. Vom anderen Ufer wirken sie wie die Herrscher der Longmen-Grotten.
Wieder einmal geht ein langer Sightseeing-Tag zu Ende. Voller Staunen und bewundern. Morgen geht es dann weiter nach Yichang, wo es auf eine 5 tägige Reise über den Yangtse geht.
Schon gestern ging es in die Stadt Luoyang in der Provinz Henan. Luoyang, ähnlich wie Xian, diente für 13 Dynastien als Hauptstadt von China. Doch Luoyangs große Zeit ist längst vorbei. Heute unterscheidet sie sich kaum von den anderen abgasverpesteten Städten Chinas. Sie ist nur noch als gutes Reiseziel für die 60 km entfernten Shaolin Tempel und die naheliegenden Longmen-Grotten (besuchen wir morgen) bekannt.
Angekommen an den Tempeln von Shaolin, wo der Entstehungsort des gongfu gelegen ist, plärrt es schon mächtig Musik aus den groß aufgestellten Boxen. Schnell wird klar: Den Geist der Shaolin aufzunehmen wird ziemlich schwer, denn die Klöster wurden in alten Zeiten öfters Opfer ihres eigenen Erfolges. Die Tempelanlage war häufig Kriegsziel und wurde zuletzt 1928 in Brand gesetzt. Die noch bestehenden Hallen werden noch immer renoviert und die Touristenhorden führten zur Überteuerung des Ortes.
Nichtsdestotrotz gibt es was zu sehen. Im Pagodenwald, ein Friedhof aus 246 kleinen Ziegelpagoden einschließlich der Asche eines bedeutenden Mönches, lohnt einen besuch. Danach kann man sich im Shaolin gongfu-Trainingscenter eine der vielen gongfu-Shows ansehen. Diese waren
durchaus unterhaltsam. Neben Tritten, Schlägen und Saltos, bekam man auch Vorführungen mit Waffen (Stöcken, Säbeln und Messern). Mit richtigem gongfu hat das wahrscheinlich wenig zu tun, aber einen Eindruck bekommt man dennoch.
China ist heute dennoch sehr bekannt für seine Shows, so gibt es überall im Land Kung-Fu Schulen die kleine Kinder zu Kampfakrobaten ausbilden. Sie träumen davon einmal das Land mit Kung-Fu Shows zu verlassen oder Filmstar zu werden, wie einst Jackie Chan.
Letztendlich war nach ein paar Stunden der Besuch im Koster zu Ende. Zu Recht wird er von manchem Reiseführer als Disneyland des Kung-Fu bezeichnet, da wirklich nicht sehr viel Kultur zu sehen war. Falls man nach China fährt sollte man sich wirklich gut überlegen ob man für diese Attraktion Geld ausgeben möchte. Das Preisleistungsverhältnis ist, meiner Meinung nach, nicht sehr gut (100 Yuan = 10€ Eintritt).
Gestern Abend kamen wir bereits in Xi’an an. Dort erwartete uns schon brüllende Hitze, doch zum Glück ist das Hostel gut klimatisiert. Hier befinden wir uns nun in der westlichsten Stadt auf unserer China-Reise. Xi’an war in früheren Dynastien die Hauptstadt. Das Xi bedeutet auch Westen.
Natürlich ist Xi’an vor allem durch den wichtigsten archäologischen Pfund des 20 Jahrhunderts bekannt: Die Terrakotta Armee. Einigen wird das etwas sagen, jedoch lohnt es sich einen Blick zurück in die Geschichte Chinas zu werfen.
Wir befinden uns in den Jahren 259-210 v.Ch., es ist die Zeit in der der erste Kaiser von China den Thron besteigt. Sein Name ist Qin Shihuang, nachdem auch die Qin-Dynastie und der Name des Landes (Qin wird Tschin ausgesprochen) benannt ist. Er setzt den Grundstein für die chinesische Mauer und beginnt mit 13 Jahren sein Grabmal zu planen. Als der Kaiser mit 50 Jahren stirbt, ist das Grabmal trotz 37 jähriger Bauzeit unvollendet. Insgesamt bauen 722.000 Menschen an der monumentalen Grabstätte. Die gesamte Anlage umfasst die Größe von mehreren Hektar und ist damit die größte Grabstätte der Welt. Im Jahre 1974 stoßen Bauern, die eigentlich nach Wasser bohren, auf Terrakottascherben und Waffen. Heute gehört das Grabmal zu den Acht Weltwundern und wird jährlich von millionen Menschen besichtigt.
Doch warum eine solche Armee aus Ton? Dies hat wiederum mit dem Glauben der Chinesen zu tun. Stirbt ein Mensch, glaubt man an die Wiedergeburt in einem anderen Reich. Dort lebt der Tote dann. Noch heute gibt man den Toten Essen und Geld mit ins Grab, sodass sie es gut haben im nächsten Leben. Deshalb wollte auch der damalige Kaiser Qin seinen ganzen Hofstaat dabeihaben. Er lies sich diese Figuren aus Ton anfertigen.
Die Ausgrabungsstätten zu besuchen ist jedoch etwas unspektakulär. Eine riesige tourisitsche Anlage führt über das Gelände. Der größte Fund ist in einer Bahnhofs – ähnlichen Halle zu besichtigen. Etwas nervend sind auch die Händler die einen verfolgen. Archäologie-Feeling kommt da nicht wirklich auf. Jedoch war es trotzdem interessant die Anlage zu betrachten.
Es ist immer wieder erstaunlich wie viele kleine Eigenarten der Chinesen auf die Rolle der Familie zurückzuführen sind. Sie bestimmt alles vom Namen bis zum Umgang mit Menschen.
Namen spielen sowieso eine große Rolle ich China. Jeder Name hat nämlich eine Bedeutung und die Eltern lassen sich viel Zeit ihn auszuwählen. So kommen häufig Namen wie Li Jun (Soldat Li) oder Xiao Long (kleiner Drache) zustande. Das erste Wort stellt hier den Familiennamen da und dieser wird, wie im umgangssprachlichen Bayrisch, vorangestellt, da man den Familiennamen aus Respekt und Stolz vorne trägt. Die Richtige Ansprache von Hu Jintao, dem chinesischen Präsidenten, wäre demnach Mr. Hu.
An den Namen lässt sich jedoch noch eine andere Eigenschaft erkennen. Schreit man nämlich auf dem Markt laut „Herr Li!“ Dürften sich so einige Menschen nach einem umdrehen. Nicht nur, weil sie denken man wäre verrückt. Rein statistisch müssten sich einige angesprochen fühlen, da 105 Millionen Menschen in China Li heißen – mehr als Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen Einwohner haben. Li ist übrigens auch der häufigste Nachname der Welt. Darum sollte man auch sich auch nicht wundern wenn man unzählige Wangs, Zhangs und Fus trifft. Das heißt noch lange nicht, dass sie miteinander verwand sind.
Viele legen sich jedoch auch noch englische Namen an. Diese sind einfacher auszusprechen und auch zu merken. So gibt es unzählige Johnnys, Charlies und Cindys. Manchmal erlauben sich auch die englischen Sprachlehrer (so wie ich einer war) einen Spaß und es kommt zu Namen wie Sunshine, Apple, Douchebag oder auch Chloroform. Die armen Chinesen!
Auch bei der Bezeichnung der Familienmitglieder gibt es eine strenge Form. So ist ein Bruder, nicht nur ein Bruder, sondern es gibt verschiedene Worte für älteren (gege) und jüngeren (didi) Bruder. Genauso wird unterschieden ob ein Cousin, Schwiegervater, Enkelkind mütterlicher oder väterlicherseits ist. Manchmal sehr verwirrend, aber dennoch nützlich. Denn so erfährt man viel mehr über eine Person, wenn man sie vorgestellt bekommt.
Natürlich spielt heutzutage auch die in den 70er Jahren implementierte Ein-Kind-Politik eine große Rolle im traditionsbewussten China. So ist es für viele wichtig einen Jungen zu bekommen, weil das eine Kind die einzige Rentenversicherung bleibt. Obwohl die Ein-Kind-Politik nicht so stark greift wie befürchtet (es gibt zahllose Ausnahmeregelung und im Durchritt ist nur jede fünfte Familie eine Einzelkindfamilie) verschiebt sich das Gleichgewicht drastisch von Männern zu Frauen. Zum Beispiel kommen auf 100 Mädchen, 117 Jungs. Das liegt vor allem an der Ultraschall-Technik die eine Geschlechtsvorhersage ermöglicht. Da der Junge noch immer bessere Chancen in China hat, wird ein Mädchen oft abgetrieben. Dies stellt in Zukunft ein großes Problem dar, da so Zwangsehen, Frauenentführungen und Prostitution auf dem Vormarsch sind.
Man sieht, dass die Familie noch immer eine große Rolle spielt im großen Reich der Mitte. Viele Bereiche sind im Aufbruch und es bleibt spannend ob dieses Familienbild diese Zeiten überleben wird.

